Die Entscheidung ist gefallen -
es soll "Kaninchen-Familienzuwachs" geben!!

Nachdem die Fragen nach Allergien und Art des Tieres geklärt sind wird sich jetzt mit der artgerechten Haltung beschäftigt.
Neben dem Futter, der Stallgröße und den Auslaufmöglichkeiten (diese Themen werden auch ausgiebig auf meiner HP erörtert) gehört auch die Frage nach der Anzahl der Tiere mit in die Überlegung.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Haltung und es werden auch oft unterschiedliche Meinungen in der Hinsicht vertreten.
Ich berichte hier über meine Erfahrungen mit den Tieren, die ich zum Teil selber, zum Teil aber auch in "Zusammenarbeit" mit unseren Jungtieren gemacht habe.

Natürlich erhebe ich keinen Anspruch darauf, dass meine Erfahrungen die einzig richtigen sind.
Ich möchte sie aber gerne als Hilfestellung und Gedankenanregung so weiter geben..................


Oftmals wollen gerade Kinder sehr gerne ein Kaninchen haben.
Hier liegt die Betonung gerade auf einem Tier!

Kaninchen sind in der freien Natur Rudeltiere. Sie haben ein starkes Sozialverhalten und eine feste Struktur in der Gruppe. Die "Ausarbeitung" dieser Struktur ist ein wichtiger Punkt im Leben eines Kaninchen. Ein allein gehaltenes Zwergkaninchen hat keine Möglichkeit dieses angeborene Verhalten auch nur auszugsweise ausleben zu können!!

Hinzu kommt, dass Kaninchen innerhalb dieser Struktur einen favorisierten Partner haben mit dem sie viel Zeit in gegenseitiger Liebkosung und Fellpflege verbringen. Wer schon mal zwei Kaninchen gesehen hat, die sich gegenseitig die Ohren putzen weiß wovon ich hier spreche.

Man nimmt dem Tier einen Großteil der Lebensqualität, wenn man es alleine hält und verwehrt sich die schönsten Beobachtungsmöglichkeiten, die so eine paarweise Haltung bietet.

Meines erachtens sollten Zwergkannichen wenn ihrgend möglich immer zu zweit gehalten werden.

Überlegen Sie mal, wie lange die Kinder im Kindergarten, Schule und draussen am Spielen sind.
Diese ganze Zeit über sitzt das Tier alleine im Käfig und sehnt sich nach einem Partner.
Abgesehen davon, dass ein Mensch niemals einen artgleichen Partner ersetzen kann.....


Womit ich auch schon beim nächsten "Problem" bin.

Häufig wird auch die Konstellation Zwergkaninchen/Meerschweinchen befürwortet.
Es ist so, dass beide Tiere ähnliche Ansprüche an Futter und Pflege haben. Sie vertragen sich auch soweit, dass sie sich meistens nicht bekämpfen und friedlich nebeneinader leben.

Meerschweinchen und Zwergkaninchen haben aber zwei ganz unterschiedlichen Kommunikationsarten.

Meerschweinchen geben recht hohe, schrille Töne von sich, die auch zur Verständigung dienen.
Das merkt man ganz deutlich daran, dass ein Meerschweinchen seinen Halter durch solche Lautäußerungen begrüßt.

Kaninchen hingegen verständigen sich durch Ohrenspiel, Körperhaltung, Duftnoten und ganz leisen Lauten. Die Lautäußerungen der Meerschweinchen sind in den Ohren eines Kaninchens schriller Lärm!!

Alleine diese Tatsache sollte erklären, warum diese beiden Tierarten nicht zusammen passen - sie können nicht miteinander kommunizieren!!!

Kaninchen sind sehr reinliche Tiere, die in ihrem Käfig nur eine Ecke "beschmutzen" und den Rest das Stalle sauber halten.
Meerschweinchen allerdings lassen alles wo sie gehen und stehen unter sich gehen und werden auch nicht stubenrein.

Auch dieser Unterschied der Lebensgewohnheiten spricht in meinen Augen gegen die Zusammensetzung der beiden Arten.

Abgesehen davon, dass die Tiere auch nicht ihr normales Sozialverhalten ausüben können, da die besagen Verständigungsprobleme bestehen.
(Wer von uns wollte schon einen Schimpansen lausen????)


Gerade in Zoogeschäften wird oftmals die Haltung von zwei weiblichen Tieren angeraten.
Begründet wird dieses Konstellation damit, dass die Tiere keinen Nachwuchs bekommen können und auch keine Kastration vorgenommen werden muss. Da werden dann die gesparten Kosten hervorgehoben.

Das ist auch soweit richtig............

aber: es kann immer wieder vorkommen, dass eine der beiden Häsinenn scheinschwanger wird und in dieser Zeit verträgt sie sich nicht mit anderen weiblichen Tieren. Da können heftige Kämpfe und Beissereien entstehen.

Man braucht somit bei zwei Häsinnen immer die Möglichkeit, die Tiere zeitweise zu trennen. (Dieses ist bei einem zweistöckigen Käfig durch Verschließen der Luke leicht zu realisieren)
Auch nach der Trennung, wenn man die beiden Häsinnen dann wieder zusammen setzen kann, wird es erst mal neue Rangordnungskämpfe geben. Bei diesen Kämpfen sollte man nach Möglichkeit nicht eingreifen (sofern sich die Tiere nicht ernstlich verletzen) damit bald wieder die gewohnte Ruhe einkehrt.


Oftmals wird angeraten zwei Böckchen zusammen zu halten.

Vorteile dieser Haltungsweise sollen die angeblich zutraulicheren Böckchen sein (das kann ich von meinen beiden "Männern" eher weniger bestätigen) und das man keine "Probleme" mit Scheinschwangerschaften bekommen kann.
Zwei männliche Kaninchen würden sich, sobald sie die Geschlechtsreife erreicht haben aber bitterlich bekämpfen.
Es müssen auf jeden Fall beide Tiere kastriert werden.
Ich pers. rate von der Haltung von zwei Böckchen ab - auch wenn sie kastriert sind!!
In meinen Augen ist es einfach nicht die natürlichste Art der Haltung. In der freien Natur würden sich auch niemals zwei Böckchen zusammen tun.


In meinen Augen ist in den meisten Fällen die paarweise Haltung die geeigneteste.

Paarweise heisst hier: ein Weibchen mit einem Böckchen - wobei das Böckchen frühzeitig kastriert werden muss.

Die Tiere leben in einem Verbund zusammen, haben die gleichen Ansprüche an die Umgebung, das Futter und die Hygiene im Stall.
Ganz wichtig ist aber auch, dass sie sich mit Lauten und Gesten verständigen können. Wer einmal ein Kaninchenpärchen beobachtet hat wie sie sich gegenseitig das Fell pflegen und die Öhrchen putzen wird dieses nie wieder missen wollen.

Es muss allerdings beachtet werden, dass die Böckchen mit 3 bis 4 Monaten geschlechtsreif werden.

Um keinen Nachwuchs zu erhalten (die Häsin wäre hierzu noch viel zu jung) sollte das Böckchen mit ca. 3 Monaten von der Häsin getrennt und sobald wie möglich kastriert werden. Den genauen Zeitpunkt der Kastration wird Ihnen der Tierarzt mitteilen. Hier gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Nach der Kastration müssen die Tiere noch eine Weile getrennt gehalten werden, da das Böckchen noch eine Weile zeugungsfähig ist. Den genauen Zeitraum wird Ihnen auch der behandelnde Arzt bekannt geben.

Es mag zwar etwas umständlich erscheinen, aber wenn man die Tiere dann Jahre lang in trauter Zweisamkeit beobachten kann wird man dafür tausenfach belohnt.


Zu guter letzt kommt natürlich immer das Beste!!!

Hier ist das Beste für das Tier gemeint und da würde ich die Gruppenhaltung im Freigehege vor allem anderen stellen.

Mir ist natürlich bewusst, dass nur wenige die Mögichkeit haben, die Tiere draußen zu halten oder eben die viel intensivere Nähe in der Wohnung wünschen.

Dennoch, für die Tiere ist es die wohl am natürlichste und somit auch die beste Haltungsmethode.

Da ich vor habe auch mal eine ausführliche Seite zu diesem Thema auszuarbeiten gehe ich an dieser Stelle nun nicht näher darauf ein.
Viele Anregungen und Tipps für die Gestaltung eines Freigeheges befinden sich schon jetzt auf meiner HP und natürlich stehe ich jederzeit gerne per e-mail für Fragen zur Verfügung.


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